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19. Mai 2021 · 17:30 - 19:00 Uhr
Workshop

Was bedeutet kultur- und traumasensibler Kinderschutz?

Anhand der Maslowschen Bedürfnispyramide wird erarbeitet, welche Hilfe und Unterstützung traumatisierte Kinder und ihre Familien nach der Flucht brauchen und zwar im Sinne individueller Unterstützungs- und Beziehungsarbeit.

Der Kinderschutzbund hat an mehreren Standorten mit Hilfe einer größeren Spende traumaspezifische Angebote für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen für einen begrenzten Projektzeitraum erproben und etablieren können.
Im Rahmen dieses Projektes konnten sich Angebote für geflüchtete Kinder, Jugendliche und ggf. auch ihre Familien entwickeln, die unterschiedlichsten Bedarfen und Settings Rechnung trugen. Entstanden sind dabei erstaunliche Ideen und Ansätze, die nicht nur Verstetigung benötigen, sondern auch zur Nachahmung einladen.
Das Ziel des Kinderschutzes ist zuvörderst die Gewährleistung der Sicherheit von Kindern. Was aber bedeutet die Vermeidung oder das Abstellen von Risiken angesichts der Tatsache, dass geflüchtete Familien mit ihren Kindern in Gemeinschaftsunterkünften mit sehr schwierigen Rahmenbedingungen leben, wenig Einfluss auf ihre Lebenssituation nehmen können, erhebliche Belastungen im Heimatland, auf der Flucht und auch hier im Aufnahmeland haben und sich oftmals nur schwerlich eine längerfristige Bleibeperspektive aufgrund der gesetzlichen Grundlagen und der Verwaltungspraxis herstellen lässt?
Hinzu kommt, dass psychotraumatische Belastungsstörungen und deren Behandlung mittels Traumatherapie oder Psychotherapie für die Betroffenen oftmals suspekt sind, weil Erfahrungen damit fehlen. Insofern reicht es nicht, geflüchtete Kinder und Jugendliche in Einzelsettings therapeutisch zu begleiten, sondern vielmehr benötigen gerade auch die Eltern, aber auch das weitere Umfeld wie z. B. Schule, erhebliche Unterstützung. Leistungen und Maßnahmen, die innerhalb der Regelversorgung von therapeutischen Angeboten in aller Regel nicht erbracht werden können.
Es wird in dem Workshop um die Fragen gehen, was geflüchtete Kinder und ihre Familien zu welchem Zeitpunkt benötigen, und zwar im Sinne von individueller Unterstützungs- und Beziehungsarbeit. Was sind Kriterien für kultur- und traumasensiblen Kinderschutz? Was bedeutet das für das Kinder- und Jugendhilfe-, sowie das Gesundheits- und Bildungssystem? Welche Qualifizierungsanforderungen sind damit an Fachkräfte verbunden? Welche Ressourcen sind für den kultur- und traumasensiblen Kinderschutz notwendig? Welche Forderungen ergeben sich daraus für die Migrations- und Asylpolitik?
Gleichzeitig wird über diese Fragestellungen ein Bogen zur Situation von Kindern und Jugendlichen aufgrund der vielfältigen Beschränkungen durch die Pandemie geschlagen. Die Probleme und Aspekte mit Blick auf Kinder mit Fluchtgeschichte gelten aufgrund der aktuellen Lage für viele Kinder und Jugendliche.
Kinder und Familien benötigen zu unterschiedlichen Zeiten andere Unterstützungsangebote. Denn eine Traumatisierung nimmt einen dynamischen Verlauf. Faktoren dafür sind:
o Ausmaß und Häufigkeit des Erlebten
o das Erleben von Hilflosigkeit
o die bisherige Lebensgeschichte und -erfahrungen
o das Alter des Kindes: je jünger es ist, desto weniger Möglichkeiten hat es, mit dem traumatischen Erleben umzugehen
o die Persönlichkeit
o die aktuelle Lebenssituation, frühere und aktuelle Belastungen
o das Unterstützungssystem und deren Reaktionen auf das Ereignis
o Schutzfaktoren
Darüber hinaus sind therapeutische Themen oftmals verbunden mit anderen Fragen, die die Bereiche Rechtsberatung, Sozialarbeit oder Hilfen zur Erziehung betreffen. Nicht selten handelt es sich um Familien mit Mehrfachbelastungen, die bereits im Herkunftsland vorhanden waren und zu denen noch die Fluchtereignisse hinzukommen. Daher ist hier Vernetzung wichtig, was beispielsweise das Gesundheitssystem nicht in der Form leisten kann wie die Kinder- und Jugendhilfe.
Vorgestellt werden Arbeitsansätze, die wenig Sprachkompetenz erfordern wie Musiktherapie, die Arbeit mit einem spezifischen Bilderbuch etc. und kultursensibel und kulturkompatibel sind.
Die notwendigen Arbeitsansätze werden anhand von Beispielen vorgestellt und über Kurzvideos eingebracht.

Referierende
Katrin vom Hoff, Kinder- und Jugendlichentherapeutin
Stefan Hauschild, Leitung der Familienberatungsstelle des DKSB OV Köln e.V.
Ulrike Minar, Leiterin Kinderschutzzentrum, DKSB LV Hamburg e.V.
Moderation
Martina Huxoll-von Ahn, stellv. Geschäftsführerin, DKSB Bundesverband e.V.
Ausrichter*in
Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Handlungsfelder

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