Fachprogramm
Zu meiner Merkliste Anzahl meiner Veranstaltungen auf dem Veranstaltungsplan:
18. Mai 2021 · 14:00 - 15:30 Uhr
Fachforum

Von Messbarkeit und Wirksamkeit in der Kinder- und Jugendarbeit (im Online-Archiv verfügbar)

Kinder- und Jugendarbeit wirkt. Um Wirkungen zu überprüfen, bedarf es einer Evaluation, die Legitimierung und Qualität übereinbringt. Ziel der Veranstaltung ist eine lösungsorientierte Fachdiskussion über Qualitäts- und Wirkungsorientierung.

Das Kinder- und Jugendarbeit wirkt, ist unumstritten. Aber treffen die Maßnahmen den Kern dessen, um was es in der Kinder- und Jugendarbeit gehen soll? Um Wirkungen zu überprüfen, bedarf es der Evaluation. Von einer konsistenten Evaluationskultur scheint das Arbeitsfeld noch entfernt.
Der Begriff Qualitätsmanagement löst bei unterschiedlichen Akteur_innen andere Erwartungen aus, wie Wirksamkeit in der ehrenamtlich organisierten Jugendverbandsarbeit zu verstehen ist. Der Gedanke, welches Interesse dabei tatsächlich im Fokus steht – Legitimierung oder Qualität – schwingt immer noch mit.
Denn die Debatte um Wirkungen von Kinder- und Jugendarbeit birgt die Falle eines ökonomisierten Diskurses: wenn sich Kinder- und Jugendarbeit auf die Logik derartiger Denk- und Sprachregelungen einlässt, begibt sie sich umso mehr in die Pflicht, Erträge, Wirkungen und Renditen nachzuweisen.
Wer Jugendarbeit als eine reine vom Staat finanzierte Dienstleistung betrachtet, die sich der Frage zu stellen hat, nach welchen (Kosten-)Kriterien sie eigentlich arbeitet, läuft Gefahr, diese auf eine pure Effizienz und Output-Dimension zu reduzieren. Gleichzeitig erfolgt die Bereitstellung öffentlicher Gelder auf Grundlage normativer Vorgaben sowie demokratisch legitimierter politischer Entscheidungen.
Ein ehrlicher Diskurs, nicht nur über Chancen und Erfolge, sondern auch über Schwierigkeiten, Misserfolge und Grenzen des Arbeitsbereiches, findet kaum statt.
Gleichzeitig existieren nur wenige Untersuchungen zum Gegenstandsbereich „Kinder- und Jugendarbeit“, deren zentrales und explizites Anliegen die empirische Bestimmung von Wirkungen ist. Das Wissen zu den Wirkungen der Kinder- und Jugendarbeit gleicht zurzeit eher einem Flickenteppich, dessen Einzelteile nur unzureichend miteinander verbunden sind und der in seiner Gesamtheit noch kein stimmiges Gesamtbild abgeben kann.
Die amtliche Kinder- und Jugendstatistik kann keine Aussage über Qualität der Arbeit treffen: die Auswahl von Evaluationskriterien lässt sich wissenschaftlich untersuchen, sie lassen sich aber nicht zwangsläufig begründen. Evaluation ist ein Balance-Akt zwischen Wissenschaft und Politik, welcher nicht losgelöst von einer fachlichen Debatte, gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie Kritik bei den Bewertungszusammenhängen betrachtet werden darf.
Die Fachveranstaltung schließt lösungsorientiert an den Diskurs an: auf wissenschaftlicher und praktischer Ebene.
Zentrale Botschaften und Fragestellungen:
• Traut sich Jugendarbeit einen kritischen Blick auf die eigene Arbeit?
• Wie kann es gelingen, dass überhaupt Effekte (Veränderungen) empirisch erfasst werden?
• Besteht durch Standardisierung die Gefahr eines staatlichen Rückzugs und damit eine „Privatisierung“ von Jugendarbeit?
• Die zurzeit noch schmale Basis von Forschungsbefunden zu den Wirkungen der Kinder- und Jugendarbeit, gibt Anlass zu der Vermutung, dass der Arbeitsbereich gestärkt aus einem intensivierten forschungsbezogenen Dialog herauskommen wird. Insofern liegt es im Interesse der Kinder- und Jugendarbeit, den „Übergang von der gefühlten zur gemessenen Wirkung“ zu forcieren. Eine Wirkungsforschung wird die Wissensbasis der professionellen Praxis merklich und nachhaltig erweitern.
• Der Form und Wirkung nach sind Fachbezogene Pauschale und Wirksamkeitsdialog in NRW bundesweit einzigartig – sie sind ein Versuch, einer lebensweltorientierten Jugendarbeit Rechnung zu tragen und gleichzeitig Aussagen über die Qualität der Arbeit zu treffen. Die Kombination erlaubt einen offenen Diskurs über Erfolge, aber auch Misserfolge und Grenzen des Arbeitsbereiches, um die Qualität der Arbeit langfristig zu sichern und voran zu treiben, ohne finanzielle Einbußen zu befürchten.
Ablauf
1. Einführung und Begrüßung durch die Moderatorin 2 Min.
2. Vortrag Prof. Dr. Liebig – ca. 30 Min.
3. Vortrag zu Wirksamkeitsdialog LJR NRW – 15 Min.
4. Diskussion – ca. 40 Min.
5. Resümee und Verabschiedung – 2 Min.

Moderation
Susan Zare, freiberuflich
Ausrichter*in
Landesjugendring NRW
Kooperationspartner
Prof. Dr. Reinhard Liebig
Hochschule Düsseldorf
Fb. Sozial- und Kulturwissenschaften
Münsterstr. 156
Raum 03.2.042
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211/4351-3345
http://soz-kult.hs-duesseldorf.de/personen/liebig

Kommentare 0

Keine Kommentare gefunden!