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19. Mai 2021 · 17:30 - 19:00 Uhr
Fachforum

Jugendhilfe für geflüchtete Minderjährige und Familien in Aufnahmeeinrichtungen

Wie kann die Jugendhilfe ihrem Auftrag in Aufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete nachkommen? Welche gute Praxis hat sich etabliert und wo stößt sie an strukturelle Grenzen? Wo muss der Gesetzgeber tätig werden? Das ist Thema dieses Fachforums.

Im Jahr 2019 stellten in Deutschland 142.509 Menschen einen Asylerstantrag in Deutschland, 50,1 Prozent (71.421) der Asylsuchenden waren Kinder unter 18 Jahren. Der Großteil von ihnen reist mit der Familie ein. Geflüchtete Familien werden zunächst in Aufnahmeeinrichtungen der Bundesländer untergebracht bevor sie auf die Kommunen verteilt werden.
Während der Zeit in den Aufnahmeeinrichtungen sind die betroffenen Kinder und Jugendlichen vielen Einschränkungen und Begrenzungen ausgesetzt. Der Alltag in Aufnahmeeinrichtungen ist geprägt von beengten Wohnverhältnissen, fehlender Privatsphäre und – aufgrund des mindestens neunmonatigen Arbeits- und Ausbildungsverbotes (,§ 61 Abs. 1 AsylG) der räumlichen Beschränkung (§ 56 Abs. 1 AsylG), des mitunter faktisch bestehenden Ausschlusses von der Regelschule sowie fehlenden Zugangs zur Kita – vom Nichtstun und Warten. Gleichzeitig erleben Minderjährige Gewalt und Abschiebungen in ihrem direkten Wohnumfeld mit. Dies alles führt zu Frust, zu Angst und schlussendlich auch zu psychischen und physischen Erkrankungen.
Dort, wo geflüchtete Kinder und Jugendliche am stärksten ausgeschlossen und gesellschaftlich isoliert werden, in den Aufnahmeeinrichtungen, kommt der Kinder- und Jugendhilfe einen besondere Bedeutung zu: Geflüchtete Kinder und ihre Eltern haben in der Regel mit der Einreise uneingeschränkten Zugang zu individueller pädagogischer Unterstützung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) während sie von vielen anderen Rechten ausgeschlossen sind. Familien können damit auch aus der Aufnahmeeinrichtung heraus einen Antrag, etwa auf Hilfen zur Erziehung, stellen und geeignete Leistungen erhalten und haben Anspruch auf einen Kita-Platz. Präventive und niedrigschwelliger Angebote der Jugendhilfe können etabliert werden und eine wichtige Unterstützung darstellen.
In der Praxis findet eine Unterstützung der Jugendhilfe für Familien in den Aufnahmeeinrichtungen über den Kinderschutz hinaus jedoch noch viel zu wenig statt. Dies hat unterschiedliche Gründe: einerseits besteht auf Seiten der Jugendhilfe oft noch große Unklarheit über die rechtliche Situation, zudem stellt sich die Frage wie der Kitaanspruch und der Anspruch auf Hilfen zur Erziehung angesichts der unklaren Aufenthaltsdauer der Familien und der hohen Fluktuation in den Einrichtungen sinnvoll eingelöst werden können. Auf der anderen Seite erhalten geflüchtete Familien oftmals kaum Kenntnis über ihre Rechte und Möglichkeiten. Viele Familien misstrauen der Jugendhilfe zudem, wenn diese nur im Kontext Kinderschutz in Erscheinung tritt und Diskriminierungserfahrungen gemacht werden.
Wie die Jugendhilfe ihrem Auftrag in dieser komplexen Situation nachkommen kann, welche Hindernisse überwunden werden müssen, welche gute Praxis sich bereits etabliert hat und wo die Jugendhilfe an strukturelle Grenzen stößt und der Gesetzgeber tätig werden muss ist Thema dieses Fachforums.

Ablaufplan

Begrüßung und Einführung
Thomas Berthold (terre des hommes) und Stefan Wedermann (IGfH)

Fachvortrag
Kein Ort für Kinder". Der Umbau des Aufnahmesystems und verändertere Zugänge zur Kinder- und Jugendhilfe für Familien in Aufnahmeeinrichtungen
Nerea González Méndez de Vigo (juristische Fachreferentin in der Kinder- und Jugendhilfe) und Tobias Klaus (terre des hommes)

Kommentierung
Was jungen Menschen und Familien in Aufnahmeeinrichtungen brauchen
Jennifer Kamau (International Women* Space e.V.) und Janina Rost (B-UMF)

Kurze Rückfragerunde
Thomas Berthold (terre des hommes)

Break-out Sessions
Diskussion zu 2-3 Thesen

Kurz-Auswertung Breakout-Sessions
Thomas Berthold (Moderation)

Zusammenfassung und Abschluss
Thomas Berthold (terre des hommes)
Stefan Wedermann (IGfH)

Referierende
Nerea González Méndez de Vigo, Juristin / freie Referentin in der Kinder- und Jugendhilfe
Tobias Klaus, terre des hommes
Janina Rost, B-UMF
Jennifer Kamau , International Women* Space e.V.
Moderation
Thomas Berthold, terre des hommes
Stefan Wedermann, Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH)
Ausrichter*in
Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH)
Kooperationspartner
Bundesfachverband unbegleitete minderjähre Flüchtlinge (BumF)
terre des hommes Deutschland e.V.

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