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18. Mai 2021 · 17:30 - 19:00 Uhr
Fachforum

Prekäre Positionen - Perspektiven für die Arbeit mit schwer erreichbaren jungen Menschen

Die Zahl junger Menschen, die in den bestehenden Sozial- und Hilfesystemen keinen Platz mehr finden und nicht mehr erreicht werden, wächst. Die Jugendlichen stellen uns vor die Herausforderung, uns zu verändern, um sie zu verstehen, und zwar radikal.

Aus verschiedenen Gründen wächst die Zahl junger Menschen, die in den bestehenden Sozial- und Hilfesystemen keinen Platz mehr finden und nicht mehr erreicht werden. Sie verschwinden aus unserer Wahrnehmung und tauchen erst in eskalierenden Situationen von Jugendarbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Drogensucht und Kriminalität wieder auf. Schwer erreichbare junge Menschen, die sich außerhalb unserer Sozialsysteme bewegen, stellen uns als Fachleute und Gesellschaft vor grundlegende persönliche, fachliche, ethische und politische Herausforderungen – mit unseren herkömmlichen Maßnahmen scheitern wir.
Die Jugendlichen fordern uns auf, uns zu verändern, um sie zu verstehen, und zwar radikal. In diesem Fachforum wollen wir zeigen, wie das im Sinne der salesianischen Idee einer Pädagogik der wohlwollenden Präsenz mit einer ganzheitlichen Förderung junger Menschen gelingen kann.

Schwer erreichbare Jugendliche – was wir bisher von ihnen gelernt haben

Ausgehend von einer multimedialen Präsentation entfalten wir die Lebenswelt der Jugendlichen, über die wir sprechen. Deutlich werden dabei individuelle Gefährdungsaspekte: Bildungsbenachteiligung, Suchthintergrund, keine Aufenthaltsgenehmigung (insbesondere bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen), fehlende soziale Kompetenzen, problematisches Elternhaus, häuslicher sexueller Missbrauch, nicht diagnostizierte psychische Erkrankungen sowie die wichtigsten strukturellen Ausgrenzungsrisiken, nämlich: Langzeitarbeitslosigkeit (der Eltern) und Totalsanktionierung im SGB-II-Bezug, Abbrüche von Ausbildung und Maßnahmen, Haft und Exklusion im Anschluss daran. Auch die Ressourcen der entkoppelten jungen Menschen werden deutlich.

Radikal anders – wie wir die Ressourcen der jungen Menschen zur Entfaltung bringen (Beispiele)

Es braucht radikal andere Orte und eine Haltung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der jungen Menschen orientiert. Wir hören und sehen Beispiele aus Berlin (24/7 – offene Räume), aus Nürnberg (Aufsuchende Arbeit – Digitale Erreichbarkeit) und aus Köln (Wohnen), die ein Portfolio möglicher Handlungsansätze sichtbar machen.

Von der Straße lernen – das E-Learning-Programm „Straßenpädagogik“

Prof. Dr. Hartwig Weber und sein Team haben mit der Universität Heidelberg eine zweijährige Ausbildung entwickelt, die, ausgehend von einer „Pädagogik der Straße“ in südamerikanischen Schwellenländern den Transfer zu unserer Klientel in prekären Lebenslagen schafft und zu einer ganzheitlichen Sicht- und Handlungsweise der Sozialarbeit führt. Ein spannender Blick über den Tellerrand und wieder zurück.

Die Logik des Sozialsystems hinterfragen – was sich in Politik und Gesellschaft verändern muss

Sich um junge Menschen zu kümmern, ihnen für ein gelingendes Leben die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen und insbesondere in schwierigen Lebenssituationen besondere Unterstützung zukommen zu lassen, ist eine immanente Aufforderung menschlichen Zusammenlebens.
Ausgehend von einer fachlichen, geschichtlichen, gesetzlichen, sozialpolitischen und methodischen Einordnung formuliert Dr. Andreas Kirchner, Professor für Pädagogik an der KSH München, zentrale Handlungsaufforderungen, die für die Förderung und gelingende Hilfe schwer erreichbarer junger Menschen wichtig sind. Er bezieht dabei wesentliche Erkenntnisse der salesianischen Arbeit mit schwer erreichbaren jungen Menschen ein und zeigt auf, dass sich die spezielle salesianische Idee einer Pädagogik der wohlwollenden Präsenz mit einer ganzheitlichen Förderung nicht im luftleeren Raum bewegt, sondern gerade vor dem Hintergrund aktueller sozialer Herausforderungen sinnvoll ist.
An deren Ende stehen unmissverständliche Plädoyers für die Auflösung der Paradoxie der Rechtskreise und deren überfälligen Kooperation zum Wohl der jungen Menschen.

Referierende
Prof. Dr. Andreas Kirchner, KSH München
Prof. Dr. Hartwig Weber, Universität Heidelberg
Tanja Holzmeyer, Universität Nürnberg, Don Bosco Jugendwerk Nürnberg
P. Christian Vahlhaus SDB, Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos
Moderation
Achim Jägers, Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos
Ausrichter*in
Deutscher Caritasverband e.V. (BVkE), BVkE e.V.
Kooperationspartner
Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos
St.-Wolfgangs-Platz 10
81669 München

Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe e.V. (BVkE)
Karlstraße 40
79104 Freiburg

Kommentare 3

Katharina Hennecke am 05.06.2021

Hallo Herr Holter,

die Präsentation von Prof. Dr. Kirchner steht nun auf unserer Website unter www.donbosco.de/jugendhilfetag oder in der rechten Schriftenauslage unseres virtuellen Messestandes auf der Fachmesse (https://messe.jugendhilfetag.de/s/deutsche-provinz-der-salesianer-don-boscos-e3f2) zum Download bereit.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Katharina Hennecke (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, hennecke@donbosco.de)

Katharina Hennecke am 04.06.2021

Hallo Herr Holter,

danke für Ihre Anfrage. Alle Materialien zur Veranstaltung finden Sie unter www.donbosco.de/jugendhilfetag. Ich hoffe, dass ich dort in den nächsten Tagen auch die Präsentation von Prof. Dr. Kirchner noch einstellen kann. Vielleicht schauen Sie im Laufe der nächsten Woche einfach mal auf die Seite.

Herzliche Grüße

Katharina Hennecke
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos

Constantin Holter am 01.06.2021

Hallo, Ihr Vortrag war sehr spannend.
Ist es möglich Ihre Folien zugeschickt zu bekommen, damit ich mir sie durcharbeiten kann?

Gruß,
Constantin Holter