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19. Mai 2021 · 14:00 - 15:30 Uhr
Vortrag inkl. Moderation

Gute Träger – gute Kitas? Steuerung als Aushandlungsprozess zwischen Träger und Kita

In zwei Vorträgen werden Forschungserkenntnisse zu Aushandlungsprozessen zwischen Träger und Kita vorgestellt. Diese werden in der sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum vertieft.

Kindertageseinrichtungen (Kitas) stehen heute vor zahlreichen Herausforderungen: Der Fachkräftemangel und eine hohe Personalfluktuation, ein vielerorts herrschender Mangel an Kitaplätzen, eine zunehmende Heterogenität der zu betreuenden Kinder, die Zusammenarbeit mit den Eltern oder die Öffnung in den Sozialraum sind einige Beispiele. Der Umgang mit diesen vielfältigen Herausforderungen kann von einem Kita-Team allein nur schwer bewältigt werden. Vielmehr benötigen Kitas hierbei die Unterstützung ihres Trägers. Vor diesem Hintergrund gerät die Bedeutung des Trägers für die Ausgestaltung und Steuerung der Strukturqualität in Kitas zunehmend in den Blick.
Strukturqualität wird sehr allgemein als situationsunabhängige, zeitlich relativ stabile Rahmenbedingungen pädagogischer Arbeit gefasst (Tietze et al. 2003). Ausgehend von dieser Perspektive ist die Frage bedeutsam, welche Rolle Trägerschaft für bestimmte Strukturmerkmale der Kitas spielen. Hierzu gehören etwa die Ressourcenausstattung (zum Beispiel Personal, räumlich-sachliche Ausstattung) oder die spezifische Zusammensetzung der betreuten Kinder in den Einrichtungen. Gleichermaßen gewinnen auch Fragen nach der Rolle der Träger bei der Steuerung der Kitas sowie Fragen nach der Träger-Einrichtungs-Kooperation an Bedeutung. Dabei stellt sich die Frage, wie Aushandlungsprozesse zwischen Träger und Kita so gestaltet werden können, dass der pädagogische Alltag positiv beeinflusst wird. Zu diesen Aspekten liegt kaum systematisches Wissen vor.
In der geplanten Veranstaltung geht es in einem ersten Beitrag zunächst um die Frage, wie sich die Träger-Einrichtungs-Kooperation im Allgemeinen gestaltet, wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Träger und Kita aufgeteilt und wie Regularien und Standards ausgehandelt werden. Das Projekt ‚Träger und ihre Kitas – Träger-Einrichtungs-Kooperation im Spannungsfeld von Steuerung und Unterstützung‘ stellt dazu einerseits Ergebnisse einer qualitativen Regionalstudie vor, in der leitfadengestützte Experteninterviews mit relevanten Funktionsträger*innen des Trägers und der Einrichtung geführt wurden. Andererseits gewährt das Forschungsteam erste Einblicke in eine auf den Interviews aufbauende bundesweite quantitative Befragung von Einrichtungsträgern.
In einem zweiten Beitrag wird die Vergabe von Kitaplätzen als Beispiel für einen wichtigen Aushandlungsprozess zwischen Träger und Kita in den Blick genommen. Ergebnisse, Verfahren, Strukturen und Praktiken der Aufnahme von Kindern in Kitas sollen beleuchtet und die Platzvergabe ins Verhältnis zu Tendenzen der sozialen und ethnischen Entmischung im Elementarbereich gesetzt werden. Das Projekt ‚Segregation und Trägerschaft. Eine quantitativ-qualitative Studie zur Untersuchung von sozialer und ethnischer Entmischung in Kitas‘ stellt vorläufige Ergebnisse der Befragung von Mitarbeiter*innen des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe, Trägervertreter*innen sowie Kita-Leiter*innen zur Kitaplatzvergabe vor und diskutiert diese vor dem Hintergrund (trägerspezifischer) Segregationsmuster, die sich anhand der Daten von nationalen Bildungsstudien beschreiben lassen.
Die Ergebnisse beider Projekte werden im Anschluss mit den Veranstaltungsteilnehmer*innen diskutiert. Ziel der Veranstaltung ist es, auf Basis von Ergebnissen aus der Forschung in den Erfahrungsaustausch mit Vertreter*innen aus der Praxis zu kommen. So wird diskutiert, wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Träger und Kita im Kita-Alltag aufgeteilt werden. Darüber hinaus wird erörtert, wie gemeinsame Entscheidungen zwischen beiden Akteuren ausgehandelt werden, wenn – wie bei der Platzvergabe in Kitas – bei der Entscheidungsfindung unterschiedliche Kriterien angesetzt werden.

Referierende
Gesine Nebe, Martin-Luther Universität Halle
Christiane Meiner-Teubner, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
Justus Peters, Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf
Stefan Schulder, HAW Hamburg
Moderation
Stefan Michl, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Ausrichter*in
Deutsches Jugendinstitut e.V.
Kooperationspartner
‚Träger und ihre Kitas – Träger-Einrichtungs-Kooperation im Spannungsfeld von Steuerung und Unterstützung‘ (TrEiKo; Projektleitung: Prof. Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf; Dr. Christiane Meiner-Teubner, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund)
‚Segregation und Trägerschaft. - Eine quantitativ-qualitative Studie zur Untersuchung von sozialer und ethnischer Entmischung in Kitas‘ (für das quantitativ ausgerichtete Teilprojekt SET:ID: Projektleitung: Prof. Dr. Nina Hogrebe, HAW Hamburg; für das qualitativ ausgerichtete Teilprojekt SET:OHA: Prof. Dr. Johanna Mierendorff, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

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