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20. Mai 2021 · 10:45 - 12:15 Uhr
Vortrag inkl. Moderation

Demokratiepädagogik in Kooperation von Jugendhilfe und Schule - ein (noch) wenig beachtetes Feld der Zusammenarbeit?!

Demokratiebildung ist ein wichtiges Ziel der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Jugendarbeit und Schule. Welches Potenzial erwächst jedoch aus gemeinsamen Projekten z. B. in den Bereichen Soziales Lernen, Diversity-Education oder Kommunalpolitik?

Demokratiebildung ist ein wichtiges Ziel und wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Jugendarbeit und Schule, nicht nur als gesetzlicher Auftrag und Potenzial von Jugendarbeit, sondern auch fest verankert in institutionellen Vorgaben, Richtlinien und Beschlüssen schulische Bildung betreffend. Dennoch bleibt Demokratiebildung in beiden Institutionen, nicht nur mit Blick auf Theoriedebatten und empirische Erkenntnisse, sondern auch in Bezug auf die pädagogische Praxis ein oftmals unzureichend umgesetzter Anspruch. Die Auseinandersetzung mit Demokratiebildung geschieht darüber hinaus in beiden Institutionen weitestgehend unabhängig voneinander, im schulischen Kontext regelmäßig mit Nähe zum Schulfach Politik, in der Jugendarbeit oft reduziert auf Aspekte von Aushandlung und Partizipation.

Im Fachvortrag „Demokratiepädagogik in Kooperation von Jugendhilfe und Schule – ein (noch) wenig beachtetes Feld der Zusammenarbeit?!“ soll deshalb aus Sicht von Wissenschaft, Kinder- und Jugendhilfe sowie Schule und Schülerschaft die Frage diskutiert werden, welche Möglichkeiten der Aneignung demokratischer Kompetenzen im Rahmen gemeinsamer demokratiepädagogischer Projekte bestehen können.

Der Begriff Demokratiepädagogik wird in Deutschland verstärkt seit Ende der 1990er-Jahre verwendet und bezeichnet Initiativen, Konzepte und Programme sowie Aktivitäten in Wissenschaft und Praxis, die sich mit demokratischer Bildung beschäftigen; dies jedoch ausschließlich mit Blick auf Schule obwohl sich eine ähnliche Diskussion auch innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe (dort z. B. in Bezug auf die Arbeitsfelder Kita, Hilfen zur Erziehung und Jugendarbeit) beobachten lässt, wenngleich dort der Begriff Demokratiepädagogik nicht verwendet bzw. sich gelegentlich auch bewusst gegen die Verwendung ausgesprochen wird. Dies geschieht häufig durch den Hinweis auf die Subjekthaftigkeit der Jugendarbeit bzw. deren Selbstbildungscharakter, bei dem eine pädagogische Hinführung als nicht geeignet angesehen wird. Eine derartige Betrachtung erschwert allerdings einerseits die Auseinandersetzung mit den Potenzialen demokratiepädagogischer Bestrebungen und einer umfassenden Umsetzung des Auftrages zur Demokratiebildung der Jugendarbeit und vernachlässigt anderseits das der Demokratiepädagogik immanente Konzept von Selbstbildung in pädagogisch arrangierten Bildungsgelegenheiten.
Die Arbeitsweisen, Strukturmerkmale und Funktionen der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere die des Arbeitsfeldes Jugendarbeit, könnten in Kooperation mit Schule in Bezug auf Demokratiebildung besondere Potenziale ermöglichen. Schule mit ihrer Qualifikations- und Selektionsfunktion steht in deutlichem Kontrast zu Trägern der Jugendarbeit, die konzeptionell deutlicher an Freiwilligkeit, Offenheit, Diskursivität und Partizipation orientiert sind.

Gemeinsame demokratiepädagogische Projekte in der Schule (z. B. in den Bereichen Soziales Lernen, Diversity Education, Peer-to-Peer, Kommunalpolitik oder Service-Learning), durchgeführt in Kooperation mit örtlichen Trägern der Jugendarbeit, die den Jugendlichen aus ihrer Freizeit und damit Lebenswelt bekannt sind, könnte ein wichtiger Bereich der Zusammenarbeit beider Akteure werden, ähnlich wie dies bereits bei den etablierten Formen von Schulsozialarbeit oder Ganztagsschule der Fall ist.

Durch die beiden Impulsvorträge, das Schüler-Statement und die anschließende Diskussion sollen einerseits die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sowie konkrete Themenbereiche gemeinsamer demokratiepädagogischer Projekte aufgezeigt, andererseits aber auch empirische Befunde eines Forschungsprojektes hierzu diskutiert werden. Dabei wird der Versuch unternommen, mehrere Perspektiven darzustellen: die von Jugendhilfe & Schule, der Wissenschaft und den Adressat*innen.

ABLAUF:
Begrüßung, Impulsvortrag Wissenschaft/Jugendhilfe (40 Minuten), Impulsvortrag Schule (20 Minuten), Statement ehemaliger Schüler (10 Minuten), Diskussion (20 Minuten)

Referierende
Oliver Bokelmann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Sozialpädagogik
Marlis Ermer, Oberstudiendirektorin i. R. (Gymnasium Laurentianum Warendorf)
Thomas Linnenbank, ehemaliger Schüler/Schülersprecher (Gymnasium Laurentianum Warendorf)
Moderation
Jana Demski, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Sozialpädagogik
Ausrichter*in
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Sozialpädagogik
Handlungsfelder

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