Statements zum 13. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2008

   
 
   

 

Christian Ude
   
Wolfgang Huber
   
Gregor Gysi
 
Oberbürgermeister Christian Ude, Präsident des Deutschen Städtetages
"Beim Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen muss es gerecht zugehen. Wer würde diesem Satz nicht uneingeschränkt zustimmen? Was aber steckt konkret hinter dieser Forderung? In erster Linie muss es darum gehen, Chancengerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen, vor allem aber im Bildungswesen, zu ermöglichen. Die unverzichtbare Grundvoraussetzung ist dabei zunächst die materielle Absicherung von Kindern und Jugendlichen. Können die Eltern den Lebensunterhalt nicht oder nicht alleine sicherstellen, springt der Sozialstaat ein."
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Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
"Wer über die Zukunft und die Gestaltung der Welt von morgen nachdenkt, muss über Kinder reden. Wer aber über Kinder redet, der muss die Frage nach der Gerechtigkeit auch auf sie hin stellen. Kinder werden um ihrer selbst willen geboren; aber dass sie geboren werden und aufwachsen, ist zugleich ein entscheidender Beitrag zur Zukunftssicherung einer Gesellschaft. Freilich wird im konkreten Einzelfall häufig das Gegenteil erlebt: Kinder werden zu einem zusätzlichen Risiko für die Sicherung der eigenen Existenz. Armutsrisiken treffen heute besonders kinderreiche Familien sowie Alleinerziehende und Migrantenfamilien; Kinder sind in unserer reichen Gesellschaft in wachsendem Maß von Armut betroffen."
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Dr. Gregor Gysi, MdB, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE
"Gerechtes Aufwachsen bedeutet die Möglichkeit, frei von Armut und Ausgrenzung in Kindheit und Jugend leben zu können. Eine immer stärker in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft gewährleistet dieses jedoch nicht. Stigmatisierung und Prekarisierung beginnen schon im Kindesalter, wenn kein ausreichendes und zuverlässig verfügbares Einkommen existiert. Angesichts der Reichtumsentwicklung in Deutschland, der explodierenden Unternehmensgewinne und Managergehälter stellt die Armut von Millionen von Kindern und Jugendlichen einen verfassungswidrigen Skandal erster Güte dar."
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Wilhelm Schmidt
   
Reiner Prölß
   
Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik
 
Wilhelm Schmidt, Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt
"„Gemeinsam Chancen schaffen“ – so lautet das Motto, unter das die Arbeiterwohlfahrt ihren Messestand und ihre Fachveranstaltungen auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2008 (DJHT) in Essen stellt. Ein Motto, das den Titel des DJHT gut ergänzt, denn unser Ziel muss es ein, dass in dieser Gesellschaft alle Kinder und Jugendlichen dieselben Chancen für ein gesundes Aufwachsen erhalten, unabhängig von ihrer Herkunft, Ethnie, ihrem Geschlecht und ihrer Religion."
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Reiner Prölß, Berufsmäßiger Stadtrat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg und ehemaliger Vorsitzender der AGJ
"Gerechtigkeit ist eine der wichtigsten philosophischen und moralischen Kategorien, um die sich unzählige abstrakte Theoriegebäude ranken. Gerechtigkeit ist – unterschiedlich akzentuiert etwa als soziale Leistungs-, Verteilungs- oder Chancengerechtigkeit – auch eine der am meisten verwendeten politischen Zielformulierungen. Gerechtigkeit ist, anders als Recht und Gesetz, nicht einklagbar, sondern immer eine Frage des gesellschaftlichen Konsenses und dessen, was als das richtige Maß und als ein für alle akzeptabler Ausgleich unterschiedlicher Interessen empfunden wird."
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Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik, Präsident des Diakonischen Werkes der EKD
"Gott hat in die Menschen unterschiedliche Fähigkeiten gelegt, die danach rufen, entwickelt zu werden. Zu viele Kinder in unserer Gesellschaft, häufig auch aus dem Milieu von Migrantenfamilien, können ihre Fähigkeiten nicht entwickeln, weil sie weder durch das häusliche Umfeld noch durch die Teilnahme an entsprechenden Bildungsangeboten Chancen bekommen. Sie brauchen zu den bestehenden Angeboten noch zusätzliche Unterstützungen."
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Dr. Ulrich Schneider
   
Dr. Peter Neher
   
Charlotte Knobloch
 
Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband e.V.
"Wer ernsthaft ein „gerechtes Aufwachsen“ ermöglichen will, hat dafür Sorge zu tragen, dass das Recht eines jeden Kindes auf die Chance zum Glück erfüllt wird. Unglückliche Kinder können sich nicht entwickeln, können nicht ihre Persönlichkeit produktiv entfalten, können nicht ihre Lern- und Bildungspotenziale ausschöpfen, können nicht den Mut und die Zuversichtentwickeln, um das Leben zu meistern und Spaß dabei zu haben."
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Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
"Eine Grundvoraussetzung für das gerechte Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist die Armutsprävention für Familien. Familien müssen die notwendigen Bedingungen vorfinden, dass sie ihre Kinder gut und gesund großziehen und fördern können und ein ausreichendes Einkommen haben. Solche Bedingungen erfordern vielfältige sozial-, arbeitsmarkt- und familienpolitische Maßnahmen. Diese reichen vom Ausbau einer Kindergrundsicherung, über die Erweiterung
der Kinderbetreuungsangebote und der Ganztagsschulen bis hin zur Anpassung der Regelsätze von Hartz IV und zur Verbesserung der Chancen von gering qualifizierten Menschen auf dem Arbeitsmarkt."
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Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland
"Gerecht Aufwachsen? Selbst in einer sozialstaatlichen Demokratie wie der Bundesrepublik ist dies – leider – keine Selbstverständlichkeit. Seit der Pisastudie wissen wir, dass nicht alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildung haben. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund erleben im Schulalltag Nachteile. Die Ursachen hierfür sind ohne Zweifel vielfältig. Sie gründen in den Familien der Heranwachsenden selbst, sie haben aber auch mit bestimmten Wahrnehmungsmustern seitens der Lehrkräfte, ja seitens der Gesamtgesellschaft zu tun. Was können wir tun? So banal es klingen mag – fördern und fordern, lautet die Antwort."
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Karl Kardinal Lehmann
   
Prof. Dr. Gesine Schwan
   
Benjamin Bloch

 
Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz
"Vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes bedeutet 'gerechtes Aufwachsen' die Möglichkeit für jedes Kind und jeden Jugendlichen, sich als Person, das heißt als in die Gesellschaft eingebundenes Individuum, entfalten zu können. Dazu ist eine finanzielle und materielle Grundsicherung ebenso erforderlich wie die Grunderfahrung, vorbehaltlos angenommen und geliebt zu sein."
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Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität
"Bildung spielt auch in der heutigen Zeit eine überaus wichtige Rolle. Bildung ist für die heranwachsende Generation nicht nur für die spätere erfolgreiche und erfüllte berufliche Laufbahn wichtig, sondern hat eine viel umfassendere Bedeutung. Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg! Aber nicht nur das. Ohne Bildung funktioniert auch unsere Demokratie nicht."
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Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)
"Mit Beginn der Zuwanderung aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben sich die Strukturen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und damit auch die Aufgaben der ZWST stark gewandelt. Die jüdischen Migranten bilden mittlerweile die Mehrheit in den jüdischen Gemeinden, daher hat sich die Förderung der Integration von Zuwanderern und dabei insbesondere der Integration von Kindern und Jugendlichen zu einem besonderen Anliegen der ZWST entwickelt."
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Ekin Deligöz MdB, Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
"Kein Kind zurücklassen! Eigentlich ist schon mit dem ersten Paragraf des Kinder- und Jugendhilfegesetzes das meiste gesagt. Dort ist die Rede davon, dass jedes Kind das Recht auf Entwicklungsförderung sowie auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hat."
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Ingrid Fischbach MdB, CDU/CSU-Bundestagsfraktion
"Das Ziel, das angestrebt und umgesetzt werden muss, ist eindeutig: Gute Startchancen für alle Kinder und Jugendliche, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Status, ihrer Religion oder ihres Geschlechtes. Armut darf nicht erblich sein." 
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Marlene Rupprecht MdB, SPD-Bundestagsfraktion
"Die gesellschaftliche Integration von Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftlich benachteiligten Milieus wird entscheidend davon abhängen, wie ihnen umfassende Chancen auf soziale Mobilität eröffnet werden. Hierbei besitzen die Angebote der Jugendhilfe und Jugendarbeit neben denen der Bildungsinstitutionen und Kulturträger eine Schlüsselfunktion."
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Renate Künast, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag
"Es braucht ein ganzes Dorf, um Kinder großzuziehen – dieser Satz von Hillary Clinton bringt es auf den Punkt: Voraussetzung für gerechtes Aufwachsen ist ein breites Netzwerk an persönlicher, gesellschaftlicher und staatlicher Unterstützung."
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Volker Kauder MdB, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
"Ich wünsche mir – und da stimme ich ganz mit der AGJ überein –, dass Kinder sich zu eigenverantwortlichen, kompetenten und verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft entwickeln."
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Christel Humme MdB, stellv. Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion
"In einem kindergerechten Deutschland kann jedes Mädchen und jeder Junge seine eigenen Potenziale entwickeln und entfalten. Chancengleichheit ist dabei ein zentrales Ziel."´
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Dr. Guido Westerwelle, MdB, Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion,
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei

Für uns Liberale beginnt „gerechtes Aufwachsen“ mit Chancengerechtigkeit am Start. Das bedeutet, dass alle Kinder von Anfang an die gleichen Möglichkeiten zur Entwicklung bekommen. Dazu gehört vor allem die bestmögliche Bildung. Um diese zu ermöglichen, hat die FDP das Modell der Bildungsgutscheine entwickelt. Sie sichern, dass alle Kinder Bildungseinrichtungen besuchen können, unabhängig vom finanziellen Hintergrund der Eltern. So kommt die Förderung dort an, wo sie benötigt wird: direkt bei den Kindern.

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